März 2009

 

In den letzten Wochen sind die Themen Kirche und Religion in voller Wucht über uns hereingebrochen. Natürlich auch deshalb, weil sie vielen
Menschen enorm wichtig sind. Da ist die Debatte um die Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation der von Lefebvre geweihten Bischöfe zurückzunehmen. Dann die Leugnung des Holocaust durch einen dieser Bischöfe. Dazu kam dann in Oberösterreich die Ernennung eines erzkonservativen Priesters zum Weihbischof und dessen Rücktritt und die Krisensitzung der österreichischen Bischöfe zu diesem Thema mit verhaltener Kritik am Vorgehen des Vatikan. Und dann noch die Studie über islamische Religionslehrer, die manche nutzten, um den Religionsunterricht an den Schulen überhaupt in Frage zu stellen.


Wenn man die Medienberichterstattung der letzten Wochen in den Blick nimmt, hat man den Eindruck: Das Interesse an Kirche und Religion ist größer als es der sonntägliche Kirchenbesuch vermuten lässt.


Hat diese Kirche noch Zukunft?

Im heurigen Jahr wird es eine Reihe von Festlichkeiten in Erinnerung an das Jahr 1809 und an den Tiroler Freiheitskampf unter Andreas Hofer geben. In Ansprachen wird man die Treue zur Heimat und auch zum Väterglauben neu beschwören. In Tirol gibt es viele wunderschöne Kirchen, und selbst in den kleinen Dörfern wurden in den letzten Jahren Kirchen und Kapellen mit großem Aufwand restauriert. Und das religiöse Brauchtum ist nicht überall so ausgeprägt wie im Land Tirol. Aber wie soll die Zukunft ausschauen, wenn die Priester immer weniger und die Sonntagsgottesdienste immer spärlicher besucht werden?


Die Zukunft der Kirche ist das Reich Gottes, das sie seit Anbeginn verkündet.


Kann es also sein, dass die Zukunft der Kirche doch nicht in erster Linie von gelösten oder nicht gelösten Struktur- und Kommunikationsproblemen des Vatikanstaates, von der Zahl der Priester, die jährlich geweiht werden, und von liberalen oder konservativen Bischöfen abhängt? Die Kirche ist nicht in erster Linie eine verbürokratisierte Institution, mit hierarchisch gegliederten Funktionsebenen und mit Funktionsträgern, deren Ränge Insider an dem mehr oder weniger rot bis purpurrot eingefärbten Outfit erkennen.


Die Kirche lebt von Ostern und vom Ostergeheimnis.

An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi und damit den Anbruch einer neuen Schöpfung. Durch das Sterben und Auferstehen Jesu Christi wurde der Tod zur Bedeutungslosigkeit herabgestuft. Seit Ostern hat die „Kultur des Lebens“ für immer Saison.
Wir begehen die Tage des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu. Wir feiern Ostern als Fest des neuen, erlösten Lebens. Die Kirche bereitet sich vierzig Tage lang auf dieses Fest vor, und die Kirche feiert fünfzig Tage lang das Ostergeheimnis – bis hin zum Pfingstfest. Wer an die Botschaft von Ostern glauben kann, sieht die Zukunft in einem neuen Licht.


Die Kirche hat dem Reich Gottes zu dienen.


In der Bibel lebt der Traum von einer neuen Welt ohne Hass und ohne Krieg, ohne Angst und ohne Leid. Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sind wichtige Vorboten dieser neuen Welt.
Aber da gibt es für uns Christen noch viel zu tun. Die weltweite Ungerechtigkeit nimmt dramatisch zu. Krieg ist als Mittel der Politik etabliert.
Und die Vernutzung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Zerstörung der Lebensräume nehmen rasant zu.

Die Kirche als Raum, in dem wir an Ostern das Leben in Fülle feiern, wird sich dafür einsetzen, dass unsere Welt Zukunft hat und dass der Traum von der neuen Welt Wirklichkeit wird.

Dazu braucht es natürlich eine lebendige und lebhafte Einbindung in das, was wir an Ostern feiern. Dazu braucht es Menschen wie Adolph Kolping, der als Mitgestalter der gesellschaftlichen Wirklichkeit mit beiden Beinen im Leben gestanden hat und dem lebendiges und
überzeugendes Christsein so wichtig gewesen ist.

Es geht nicht um die Zukunft der Kirche in Sorge um ihren gewohnten Fortbestand, es geht vielmehr um die Herausforderungen der Zukunft an
unsere Kirche – in welcher Gestalt auch immer. Es braucht heute eine charismatische Kirche – im Sinne einer betenden und feiernden Kirche. In Anerkennung der vielen geistgeschenkten Gaben und Fähigkeiten im Leben einer christlichen Gemeinde zum Aufbau des „Leibes Christi“, wie der Apostel Paulus sich ausdrückt. Diese Kirche beginnt schon in der Familie. Die Eltern sind für ihre Kinder die ersten Glaubenszeugen und Katecheten. Eine charismatisch ausgerichtete Kirche wird aus den vielen Talenten und Charismen leben.


Und es braucht eine diakonische Kirche, eine dienende Kirche. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. So lautete einmal ein Buchtitel. Eine Kirche, die nicht dient, brauchen wir nicht. Der Platz der Kirche ist bei den Kleinen und Hilfsbedürftigen, bei den Alten und Kranken, bei denen, die sich selbst nicht helfen können. Der Platz der Kirche ist bei den Suchenden und Orientierungslosen, unterwegs zu den jungen Menschen und unterwegs mit den Jugendlichen. Die Sorge der Kirche gilt den Familien in ihren Alltagsbelastungen.


Im Mittelpunkt dieser Kirche steht Jesus, der für uns gestorben und auferstanden ist und der am Abend vor seinem Gang in den Tod den
Jüngern die Füße gewaschen hat.

In Jesus wird ein Gott sichtbar, bei dem wir nicht mehr anstehen zur Kopfwäsche, sondern zur Fußwäsche. Einander dienen ist angesagt.
Eine fußwaschende österliche Kirche? Dienen, um aufzurichten, auf die Beine zu helfen, dienen und anderen wieder zum Leben verhelfen. Eine
Kirche, in der sich Adolph Kolping besonders daheim gefühlt hat. Nicht den Herrschenden, den Dienenden gehört die Zukunft

P. Wolfhard Würmer OFM

Präses der Kolpingsfamilie Schwaz

 

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